Aktualisierung vom 20.11.2017

Die Aktive Bevölkerung

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Unter der „Aktiven Bevölkerung“ (Erwerbspersonen), versteht man die Menschen im erwerbsfähigen Alter (15-64 Jahre), die entweder als Arbeitnehmer in einem Arbeitsverhältnis stehen oder als Selbständige bzw. Gehilfe eines Selbständigen tätig sind, plus die Arbeitsuchenden.

Die Aktive Bevölkerung beläuft sich 2015 in der Deutschsprachigen Gemeinschaft auf 33.622 Personen.  Gemessen an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter beträgt die Erwerbsquote (oder Aktivitätsrate) damit 66,9%, identisch zum Vorjahr. 

In der Wallonie beträgt die Erwerbsquote 67,5% (minimaler Rückgang zum Vorjahr) und in Flandern 72,2% (im Vorjahr 71,9%).  Im Landesdurchschnitt liegt ist sie damit wie im Vorjahr bei 69,5%.

Es besteht eine erheblich Diskrepanz zwischen den Erwerbsquoten im Norden und Süden der Gemeinschaft, wobei nach wie vor nicht ganz klar ist, wie viel davon der mangelhaften Erfassung der Pendlerströme nach Deutschland geschuldet ist.

Auch die Erwerbstätigenquote (Beschäftigungsrate) ist im Kanton St.Vith dank einer geringen Arbeitslosigkeit und einer relativ höheren Anzahl von Beschäftigen (Selbständige, Pendler und Arbeitnehmer) deutlich höher als im Kanton Eupen.  Die Beschäftigungsrate in der DG insgesamt beläuft sich 2015 nach dieser Berechnung auf 61,3%.

2015 Bevölkerung
15-64
Erwerbstätige
(Beschäftige
Bevölkerung)
Erwerbslose
(Vollarbeitslose)
Total =
Erwerbspersonen
(Aktive Bevölkerung)
Kanton St. Vith 19.856 13.089 637 13.726
Kanton Eupen 30.425 17.725

2.171

19.896
Deutschsprachige Gemeinschaft 50.280 30.814 2.808 33.622

Quelle: Steunpunt Werk

2015

Erwerbsquote
(Aktivitätsrate)

Erwerbstätigenquote
(Beschäftigungsrate)
Arbeitslosenquote
Kanton St. Vith 69,1 % 65,9 % 4,6 %
Kanton Eupen 65,4 % 58,3 %

10,9 %

Deutschsprachige Gemeinschaft 66,9 % 61,3 % 8,4 %

Quelle: Steunpunt Werk                

Die unterschiedlich hohen Erwerbsquoten pro Altersgruppe und Geschlecht verdeutlichen die unterschiedlichen Verhaltensmuster dieser Gruppen am Arbeitsmarkt. 

Die Erwerbsquote der Jugendlichen liegt mit knapp 38,4% deutlich unter dem Gesamtdurchschnitt, da sich die meisten Personen dieser Altersgruppe noch in der schulischen Ausbildung befinden und damit nicht als Erwerbspersonen gelten.  Jugendliche in einer mittelständischen Ausbildung zählen hingegen statistisch wohl zu den Erwerbstätigen. 

Dieser Prozentsatz von 38,4% (im Kanton St.Vith sogar 46,4%) ist höher als in der Wallonie (32,7%), aber auch etwas höher als derjenige in Flandern (35,9%). Der Unterschied zur Wallonie ist dagegen noch deutlich größer bei der Erwerbstätigenquote, d.h. den tatsächlich Beschäftigten: sie beträgt 33,0% in der DG und nur 21,6% in der Wallonie.  Dies erklärt sich auch durch die hohe Bedeutung der mittelständischen Lehre in Ostbelgien und die deutlich höhere Jugendarbeitslosigkeit in der Wallonie.  Die Erwerbstätigenquote der Jugendlichen befindet sich allerdings seit Jahren auf einem Abwärtstrend, in Ostbelgien noch stärker als in den anderen Regionen.

In allen Regionen sind mehr Jungen als Mädchen auf dem Arbeitsmarkt präsent, aber nirgendwo ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern größer als in Ostbelgien: während knapp 43% der männlichen Jugendlichen zu den Aktiven zählen, sind es nur gut 34% der Mädchen.  Die Zahlen deuten darauf hin, dass in der Deutschsprachigen Gemeinschaft die Jungen weniger häufig einer weiterführenden schulischen Ausbildung folgen, sondern eher als die Mädchen im Arbeitsleben oder einer Lehre zu finden sind.

In der Altersgruppe der 25-49-Jährigen sind in Ostbelgien 83,3% der Männer auf dem Arbeitsmarkt präsent, aber nur 77,5% der Frauen.  Hier spiegelt sich die Tatsache wider, dass auch heute noch weniger Frauen als Männer einer bezahlten Tätigkeit nachgehen, selbst wenn der Unterschied im Laufe der Zeit immer geringer wird: vor 10 Jahren lag die Differenz noch bei rund 16 Prozentpunkten.  Während die Erwerbstätigkeit der Frauen in dieser Altersgruppe allmählich leicht ansteigt, ist bei den Männern sogar ein recht deutlicher Rückgang festzustellen – der allerdings teilweise der geänderten Pendlererfassung geschuldet ist - zugunsten einer zunehmenden Zahl von nicht-berufsaktiven Männern.

Noch größer ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern bei den 50-64jährigen, was aber nicht darauf zurück zu führen ist, dass die Frauen sich früher vom Arbeitsmarkt zurückziehen als die Männer, sondern darauf, dass die weiblichen Kohorten dieser Altersgruppe in früheren Jahren weitaus weniger auf dem Arbeitsmarkt präsent waren.  Auch dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern resorbiert sich aber zunehmend, da in der Aktiven Bevölkerung keine Gruppe in den letzten 10 Jahren so stark angewachsen ist wie diejenige der Frauen über 50 Jahre.

Auch im Vergleich zur Wallonie und insbesondere zu Flandern gehen die Frauen in der DG weniger häufig einer Erwerbstätigkeit nach, zumindest in der mittleren Altersgruppe: die Erwerbsquote der 25-49jährigen Frauen liegt in der DG mit 77,5% rund 3,1 Prozentpunkte niedriger als in der Wallonie und 8,3 Prozentpunkte niedriger als in Flandern.  Zugleich zeigen die Arbeitnehmerdaten, dass die Frauen in Ostbelgien häufiger einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen als in den anderen Regionen.

Die Erwerbsbeteiligung der Älteren (50-64jährige) ist mit rund 64,3% in Belgien insgesamt im europäischen Vergleich recht niedrig, steigt aber von Jahr zu Jahr an.  Diese Erwerbsquote ist in allen Regionen ähnlich hoch.  Sie hat in Flandern mit 65,9% den höchsten Wert, beträgt in der Deutschsprachigen Gemeinschaft 64,3% und in der Wallonie 62,3%. 

Quelle: Steunpunt WSE

In der Erwerbstätigenquote (Beschäftigungsrate) spiegelt sich wieder, wie viel Prozent der Aktiven Bevölkerung tatsächlich einer bezahlten Tätigkeit nachgehen, sei es als Arbeitnehmer oder Selbständiger.  Der Unterschied zur Erwerbsquote erklärt sich durch die Höhe der Arbeitslosigkeit in den jeweiligen Gruppen und Alterskategorien.

Trotz der niedrigeren Arbeitslosigkeit in Ostbelgien ist die Erwerbstätigenquote hier 2015 etwas niedriger (61,3%) als im Landesdurchschnitt (61,6%).  In den Altersgruppen 15-24 Jahre und 50-64 Jahre verzeichnet die Deutschsprachige Gemeinschaft eine höhere Beschäftigungsrate als Belgien insgesamt, in der der Gruppe der 25-49jährigen allerdings eine leicht niedrigere Quote.  Gerade hier aber macht sich auch das Problem der mangelhaften Erfassung der Auspendlerzahlen bemerkbar.

Quelle: Steunpunt WSE 

Das Lissabonn-Ziel für 2020

Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 insgesamt eine Erwerbstätigenquote von 75% in der Altersgruppe der 20-64jährigen zu erreichen.  Für Belgien wurde ein Zielwert von 73,2% gesetzt.

Betrachtet man die Erwerbstätigenquote in der DG für die Gruppe der 20-64jährigen im Jahr 2015, so liegt diese bei 66,0% (Belgien: 66,7%), wenn man die administrativen Daten des Steunpunt Werk heranzieht.

Maßgebend für die EU sind allerdings die Zahlen der Arbeitskräfteerhebung (AKE), die auf Umfrageergebnissen basieren.  Zieht man diese zu Rate, so ist die DG mit einem Ergebnis von 69,8% für 2015 noch relativ gut positioniert, die Tendenz ist allerdings sinkend.  Für Belgien insgesamt liegt die Quote bei 67,2%.

Der Unterschied zwischen den administrativen Daten und den AKE-Daten erklärt sich durch die verwendeten Definitionen für die einzelnen Kategorien, durch die Erhebungsmethode und für die DG auch insbesondere dadurch, dass in den administrativen Daten die Auspendlerzahlen (v.a. nach Deutschland) unterschätzt werden.  Daher ist der Unterschied zwischen den beiden Quellen für Ostbelgien deutlich höher als in den anderen Landesteilen.  Allerdings ist das Umfrageergebnis hier aufgrund der Kleinheit der Stichprobe auch mit einer größeren Unsicherheit behaftet als in den Regionen.

Erwerbstätigenquote der 20-64-Jährigen

2015 Administrative Daten Arbeitskräfteerhebung
Deutschsprachige Gemeinschaft 66,0% 69,8%
Wallonie 62,2% 61,5%
Flandern 72,0% 71,9%
Belgien 66,7% 67,2%