Aktualisierung vom 21.08.2018

Die Aktive Bevölkerung

27041725_C_imaginando_Fotolia

Unter der „Aktiven Bevölkerung“ (Erwerbspersonen), versteht man die Menschen im erwerbsfähigen Alter (15-64 Jahre), die entweder als Arbeitnehmer in einem Arbeitsverhältnis stehen oder als Selbständige bzw. Gehilfe eines Selbständigen tätig sind, plus die Arbeitsuchenden.

Die Aktive Bevölkerung beläuft sich 2016 in der Deutschsprachigen Gemeinschaft auf 33.828 Personen.  Gemessen an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter beträgt die Erwerbsquote (oder Aktivitätsrate) damit 67,2% (Vorjahr: 66,9%).

In der Wallonie beträgt die Erwerbsquote 67,5% (identisch zum Vorjahr) und in Flandern 72,6% (im Vorjahr 72,2%).  Im Landesdurchschnitt liegt ist sie damit wie im Vorjahr bei 69,7%, was eine minimale Steigerung bedeutet.

Es besteht eine erheblich Diskrepanz zwischen den Erwerbsquoten im Norden und Süden der Gemeinschaft, wobei nach wie vor nicht ganz klar ist, wie viel davon der mangelhaften Erfassung der Pendlerströme nach Deutschland geschuldet ist.

Auch die Erwerbstätigenquote (Beschäftigungsrate) ist im Kanton St.Vith dank einer geringen Arbeitslosigkeit und einer relativ höheren Anzahl von Beschäftigen (Selbständige, Pendler und Arbeitnehmer) deutlich höher als im Kanton Eupen.  Die Beschäftigungsrate in der Deutschsprachigen Gemeinschaft insgesamt beläuft sich 2016 nach dieser Berechnung auf 61,8%.

2016 Bevölkerung
15-64
Erwerbstätige
(Beschäftige
Bevölkerung)
Erwerbslose
(Vollarbeitslose)
Total =
Erwerbspersonen
(Aktive Bevölkerung)
Kanton St. Vith 19.870 13.203 597 13.800
Kanton Eupen 30.437 17.875

2.153

20.028
Deutschsprachige Gemeinschaft 50.307 31.078 2.750 33.828

Quelle: Steunpunt Werk

2016

Erwerbsquote
(Aktivitätsrate)

Erwerbstätigenquote
(Beschäftigungsrate)
Arbeitslosenquote
Kanton St. Vith 69,5 % 66,4 % 4,3 %
Kanton Eupen 65,8 % 58,7 %

10,7 %

Deutschsprachige Gemeinschaft 67,2 % 61,8 % 8,1 %

Quelle: Steunpunt Werk                

Die unterschiedlich hohen Erwerbsquoten pro Altersgruppe und Geschlecht verdeutlichen die unterschiedlichen Verhaltensmuster dieser Gruppen am Arbeitsmarkt. 

Die Erwerbsquote der Jugendlichen liegt mit knapp 38,6% deutlich unter dem Gesamtdurchschnitt, da sich die meisten Personen dieser Altersgruppe noch in der schulischen Ausbildung befinden und damit nicht als Erwerbspersonen gelten.  Jugendliche in einer mittelständischen Ausbildung zählen hingegen statistisch wohl zu den Erwerbstätigen. 

Dieser Prozentsatz von 38,6% (im Kanton St.Vith sogar 46,5%) ist höher als in der Wallonie (31,7%), aber auch etwas höher als derjenige in Flandern (35,7%). Der Unterschied zur Wallonie ist dagegen noch deutlich größer bei der Erwerbstätigenquote, d.h. den tatsächlich Beschäftigten: sie beträgt 33,6% in der Deutschsprachigen Gemeinschaft und nur 21,3% in der Wallonie.  Dies erklärt sich auch durch die hohe Bedeutung der mittelständischen Lehre in Ostbelgien und die deutlich höhere Jugendarbeitslosigkeit in der Wallonie.  Die Erwerbstätigenquote der Jugendlichen befindet sich allerdings seit Jahren auf einem Abwärtstrend, in Ostbelgien noch stärker als in den anderen Regionen.

In allen Regionen sind mehr Jungen als Mädchen auf dem Arbeitsmarkt präsent, aber nirgendwo ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern größer als in Ostbelgien: während knapp 43% der männlichen Jugendlichen zu den Aktiven zählen, sind es nur gut 34% der Mädchen.  Die Zahlen deuten darauf hin, dass in der Deutschsprachigen Gemeinschaft die Jungen weniger häufig einer weiterführenden schulischen Ausbildung folgen, sondern eher als die Mädchen im Arbeitsleben oder einer Lehre zu finden sind.

In der Altersgruppe der 25-49-Jährigen sind in Ostbelgien 83,2% der Männer auf dem Arbeitsmarkt präsent, aber nur 77,7% der Frauen.  Hier spiegelt sich die Tatsache wider, dass auch heute noch weniger Frauen als Männer einer bezahlten Tätigkeit nachgehen, selbst wenn der Unterschied im Laufe der Zeit immer geringer wird: vor 10 Jahren lag die Differenz noch bei rund 16 Prozentpunkten.  Während die Erwerbstätigkeit der Frauen in dieser Altersgruppe allmählich leicht ansteigt, ist bei den Männern sogar ein recht deutlicher Rückgang festzustellen – der allerdings teilweise der geänderten Pendlererfassung geschuldet ist - zugunsten einer zunehmenden Zahl von nicht-berufsaktiven Männern.

Noch größer ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern bei den 50-64-Jährigen, was aber nicht darauf zurück zu führen ist, dass die Frauen sich früher vom Arbeitsmarkt zurückziehen als die Männer, sondern darauf, dass die weiblichen Kohorten dieser Altersgruppe in früheren Jahren weitaus weniger auf dem Arbeitsmarkt präsent waren.  Auch dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern resorbiert sich aber zunehmend, da in der Aktiven Bevölkerung keine Gruppe in den letzten 10 Jahren so stark angewachsen ist wie diejenige der Frauen über 50 Jahre. Ihre Erwerbsbeteiligung liegt mittlerweile bei fast 60%.

Auch im Vergleich zur Wallonie und insbesondere zu Flandern gehen die Frauen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft weniger häufig einer Erwerbstätigkeit nach, zumindest in der mittleren Altersgruppe: die Erwerbsquote der 25-49jährigen Frauen liegt in der Deutschsprachigen Gemeinschaft mit 77% rund 3 Prozentpunkte niedriger als in der Wallonie und 8,3 Prozentpunkte niedriger als in Flandern.  Zugleich zeigen die Arbeitnehmerdaten, dass die Frauen in Ostbelgien häufiger einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen als in den anderen Regionen.

Die Erwerbsbeteiligung der Älteren (50-64jährige) ist mit rund 65,4% in Belgien insgesamt im europäischen Vergleich recht niedrig, steigt aber von Jahr zu Jahr an.  Die Erwerbsquote hat in Flandern mit 67,2% den höchsten Wert, beträgt in der Deutschsprachigen Gemeinschaft 65,2% und in der Wallonie 63,1%. 

Quelle: Steunpunt WSE

In der Erwerbstätigenquote (Beschäftigungsrate) spiegelt sich wider, wie viel Prozent der Aktiven Bevölkerung tatsächlich einer bezahlten Tätigkeit nachgehen, sei es als Arbeitnehmer oder Selbständiger. Der Unterschied zur Erwerbsquote erklärt sich durch die Höhe der Arbeitslosigkeit in den jeweiligen Gruppen und Alterskategorien.

Trotz der niedrigeren Arbeitslosigkeit in Ostbelgien ist die Erwerbstätigenquote hier auch 2016 etwas niedriger (61,8%) als im Landesdurchschnitt (62,2%).  In den Altersgruppen 15-24 Jahre und 50-64 Jahre verzeichnet die Deutschsprachige Gemeinschaft eine höhere Beschäftigungsrate als Belgien insgesamt, in der der Gruppe der 25-49-Jährigen allerdings eine leicht niedrigere Quote. Gerade hier aber macht sich auch das Problem der mangelhaften Erfassung der Auspendlerzahlen bemerkbar.

Quelle: Steunpunt WSE 

Das Lissabon-Ziel für 2020

Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 insgesamt eine Erwerbstätigenquote von 75% in der Altersgruppe der 20-64jährigen zu erreichen.  Für Belgien wurde ein Zielwert von 73,2% gesetzt.

Betrachtet man die Erwerbstätigenquote in der Deutschsprachigen Gemeinschaft für die Gruppe der 20-64jährigen im Jahr 2016, so liegt diese bei 66,4% (Belgien: 67,3%), wenn man die administrativen Daten des Steunpunt Werk heranzieht.

Maßgebend für die EU sind allerdings die Zahlen der Arbeitskräfteerhebung (AKE), die auf Umfrageergebnissen basieren.  Zieht man diese zu Rate, so ist die Deutschsprachige Gemeinschaft mit einem Ergebnis von 70,4% für 2016 noch relativ gut positioniert. Für Belgien insgesamt liegt die Quote bei 67,7%.

Der Unterschied zwischen den administrativen Daten und den AKE-Daten erklärt sich durch die verwendeten Definitionen für die einzelnen Kategorien, durch die Erhebungsmethode und für die Deutschsprachige Gemeinschaft auch insbesondere dadurch, dass in den administrativen Daten die Auspendlerzahlen unterschätzt werden.  Daher ist der Unterschied zwischen den beiden Quellen für Ostbelgien deutlich höher als in den anderen Landesteilen.  Allerdings ist das Umfrageergebnis hier aufgrund der Kleinheit der Stichprobe auch mit einer größeren Unsicherheit behaftet als in den Regionen.

Erwerbstätigenquote der 20-64-Jährigen

2016 Administrative Daten Arbeitskräfteerhebung
Deutschsprachige Gemeinschaft 66,4% 70,4%
Wallonie 62,8% 62,6%
Flandern 72,6% 72%
Belgien 67,3% 67,7%