Aktualisierung vom 20.06.2018

Arbeitslosigkeit

In der Deutschsprachigen Gemeinschaft waren im Jahresschnitt 2017 rund 2.567 arbeitslose Arbeitsuchende (=Vollarbeitslose) gemeldet (Schnitt 2016: 2.753 Personen). Dabei handelt es sich um Personen, die ohne Beschäftigung sind, dem Arbeitsmarkt unmittelbar zur Verfügung stehen und aktiv eine Beschäftigung suchen. Davon erheben 72% Anspruch auf Arbeitslosengeld, die übrigen sind Personen, die (zumindest zeitweilig) keinen Anspruch auf Entschädigung haben.

  Männer Frauen Gesamt in %

Vollarbeitslose

Deutschsprachige Gemeinschaft - Schnitt 2017

1.304 1.263 2.567 100%

Vollarbeitslose
Geschlechteranteil in %

51% 49% 100%  
davon: Arbeitsuchende Anwärter auf AL-Geld 939 898 1.837 71,6%
  Schulabgänger
in Berufseingliederungszeit
108 105 213 8,3%
  Über ein ÖSHZ eingetragen 187 163 350 13,6%
  Freiwillig eingetragene Arbeitslose 49 87 136 5,3%

 

Die Arbeitslosenrate (Anteil der Vollarbeitslosen an der aktiven Bevölkerung, Stand 2016) in der Deutschsprachigen Gemeinschaft belief sich auf 7,6% und ist damit leicht gesunken (Vorjahr 8,1%). Die Zahl der Arbeitslosen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist im Jahresdurchschnitt um 186 Personen zurückgegangen und somit nun zum zweiten Jahr in Folge rückläufig.

80% der Arbeitslosen wohnen im Kanton Eupen, wo die Arbeitslosigkeit mit 10,2% weiterhin wesentlich höher ist als im Kanton St.Vith (3,7%).  Der Rückgang der Arbeitslosigkeit 2017 war proportional gesehen deutlich stärker im Süden Ostbelgiens (St.Vith -121 Personen bzw. -19%, Eupen -124 Personen bzw. -5,7%).               

Der Frauenanteil an den Arbeitslosen ist in den letzten 20 Jahren fast kontinuierlich gesunken (zu Erinnerung: 1995 lag der Frauenanteil bei 62%, 2005 bei 57%) und liegt nun leicht unter dem Männeranteil.  Dies liegt v.a. daran, dass die Zahl der arbeitslosen Männer in Ostbelgien im letzten Jahrzehnt, das von mehreren Konjunktureinbrüchen geprägt war, deutlich stärker gestiegen war als diejenige der Frauen.

Insgesamt liegt der Frauenanteil an den Arbeitslosen im Landesschnitt unverändert bei 47,2% und damit nun schon seit mehreren Jahren unter der 50%-Marke. Die Arbeitslosenrate der Frauen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft liegt aber mit 8,1 % noch etwas über derjenigen der Männer (7,2%).

Vollarbeitslose
nach Kanton

Männer Frauen Gesamt in %  
Kanton Eupen 1.053 998 2.051 80%  
Kanton St. Vith 252 265 516 20%  
Deutschsprachige
Gemeinschaft Gesamt

1.304

51%

1.263

49%

2.567

100%

100%  

Aufteilung nach Altersgruppen und Dauer der Arbeitslosigkeit

Die Aufgliederung der Arbeitslosen nach Altersgruppen zeigt, dass 35% der Arbeitslosen älter als 50 Jahre sind. Ein Vergleich mit dem Jahr 2001, als die Arbeitslosigkeit in der DG ihren bisherigen Tiefststand erreichte, zeigt, dass der seitdem erfolgte Anstieg der Arbeitslosigkeit ganz besonders die über 50-jährigen betrifft. Ihre Zahl hat sich innerhalb dieser 16 Jahre mehr als vervierfacht.

Vollarbeitslose nach Alter

2001

Zahl                Anteil  %

2017  

Zahl       Anteil in %  

Entwicklung 2001-20017
< 25 Jhare 305                21% 440        17% 44%
25 - 29 Jahre 168                11% 294         11% 75%
30 bis 39 Jahre 434                30% 493          19% 14%
40 bis 49 Jahre 377                26% 433         17% 15%
> 50 Jahre 178                12% 908          35% 410%
Gesamt 1.462              100% 2.567        100% 76%

Dies ist zum einen auf gesetzliche Anpassungen zurückzuführen (Anhebung der Altersgrenze für die Freistellung von der Arbeitsuche aus Altersgründen ab 2002 auf 58 Jahre, ab 2013 auf 60 Jahre und Abschaffung der Freistellung seit 2015) und zum anderen aber auch auf die demografische Verschiebung innerhalb der Erwerbsbevölkerung: die Zahl der 50-64-jährigen Erwerbspersonen insgesamt (aktive Bevölkerung) ist in Ostbelgien zwischen 2003 und 2016 ebenfalls stark gestiegen (+80%). Der Anteil der über 50-jährigen an den Vollarbeitslosen ist seit 2001 von 12% auf 35% gestiegen, während der Anteil der Jugendlichen mit 17% leicht gesunken ist.

Mittlerweile zeichnet sich aber auch bei den älteren Arbeitslosen eine leichte Trendwende ab, bzw. verschiebt sich die Altersgrenze weiter nach oben: seit 2016 ist ein - wenn auch noch nur schwacher - Rückgang bei den über 50-jährigen festzustellen.  Lediglich die Zahl der über 60-jährigen Arbeitslosen steigt noch weiter an.  Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Arbeitslosen in allen Altersgruppen, mit Ausnahme der über 60-Jährigen, gesunken.

Arbeitslosenrate pro Altersgruppe Männer           Frauen Gesamt
< 25 Jahre 10,8%           13,5% 11,9%
25 - 49 Jahre 6,6%             6,4% 6,5%
50 - 64 Jahre 6,9%            6,9% 8,0%
Gesamt 7,2%            8,1% 7,6%

Betrachtet man die Arbeitslosenrate pro Altersgruppe (d.h. das Verhältnis zur aktiven Bevölkerung der jeweiligen Alters-gruppe, Stand 2016), stellt man fest, dass die Jugendarbeits­losenrate mit 11,9% zwar merklich höher ist als in den anderen beiden Altersgruppen, aber sie ist jetzt drei Jahre in Folge deutlich gesunken. Längerfristig gesehen hat die stärkste Entwicklung bei den über 50-jährigen stattgefunden, wo die Arbeitslosenrate 2003 noch nur bei 3,8% gelegen hat und heute bei 8,0% liegt.  2017 ist die Arbeitslosenquote in allen Altersgruppen zurückgegangen.

Die Arbeitslosenquoten nach Altersgruppen sind in der Deutschsprachigen Gemeinschaft denjenigen in Flandern recht ähnlich, während in Brüssel und der Wallonie die Quoten in allen Altersgruppen, aber ganz besonders bei den Jugendlichen, bedeutend höher sind.

Was die Dauer der Arbeitslosigkeit betrifft, so waren gut 34% der Arbeitslosen im Schnitt weniger als 6 Monate arbeitslos und zählen damit zu den  Kurzzeitarbeitslosen. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen (über 1 Jahr arbeitslos) ist 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 5% gesunken. Allerdings ist darunter die Zahl der Personen, die seit mehr als 5 Jahren arbeitslos sind, weiter gestiegen und mit 451 Personen so hoch wie nie zuvor. Anzahl und Anteil der Langzeitarbeitslosen (50%) liegen weiterhin deutlich höher als diejenigen der Kurzzeitarbeitslosen. Zum Vergleich: im Jahr 2001 war die Verteilung umgekehrt, d.h. 46% Kurzzeitarbeitslose und 37% Langzeitarbeitslose.

Die Struktur der Arbeitslosigkeit in Ostbelgien bleibt weiterhin insgesamt vergleichbar mit derjenigen in Flandern. So beträgt der Anteil der Personen, die weniger als 6 Monate lang arbeitslos sind, in Flandern 35%, in Wallonien hingegen nur 29%. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen (mindestens 1 Jahr lang arbeitslos) beläuft sich in der DG auf 50%, in Flandern auf 48% und in der Wallonie auf 56%.

Vollarbeitslose nach Dauer der Arbeitslosigkeit Männer        Frauen Gesamt        in %
< 6 Monate 440             439 879            34,2%
6-12 Monate 210             194 404            15,7%
1-2 Jahre 209             184 393            15,3%
2-5 Jahre 221              219 440            17,2%
> 5 Jahre 225              226 451             17,6%
Gesamt 1.304           1.263 2.567           100%

Aufteilung nach Qualifikation und Sektor

Die Qualifikationsstruktur der Arbeitslosen ist in den letzten Jahren recht stabil geblieben.  Der Rückgang der Arbeitslosenzahl der letzten drei Jahre hat alle Ausbildungsniveaus fast gleichermaßen erfasst.  Längerfristige Vergleiche sind jedoch nur bedingt möglich, da die Erfassung des Ausbildungsniveaus (insbesondere der sonstigen, meist ausländischen Ausbildungen) mehrfach geändert hat.

Der Anteil der unterqualifizierten Arbeitslosen (d.h. Personen, die höchstens über einen Primarschul­abschluss oder die Mittlere Reife bzw. die 2. Stufe des Sekundarschulunterrichtes verfügen) beläuft sich in der Deutschsprachigen Gemeinschaft auf rund 44%, also ähnlich hoch wie in Flandern und Wallonie (jeweils 45%). Allerdings sind in der Deutschsprachigen Gemeinschaft noch etwa 7% der Arbeitslosen in der Kategorie der sonstigen bzw. im Ausland erworbene Ausbildungen eingeordnet, die in der Wallonie und Flandern vernachlässigbar klein ist. Hierunter - meist handelt es sich um (Teil-) Ausbildungen im Sekundarschulbereich – dürfte ebenfalls noch ein gewisser Anteil an Unterqualifizierten zu finden sein.

Vollarbeitslose nach Ausbildung Männer Frauen Gesamt Anteil in %

Primarschule

Sekund. Unterstufe

297

299

213

323

510

622

19,9%

24,2%

Lehre
Sekund. Oberstufe

142

311

97

381

239

691

9,3%

26,9%

Hochschule / Uni 149 319

 

319

 

12,4%
Sonstige Ausb./ Ausland 107 186 186 7,2%
Gesamt 1.304 1.263 2.567 100%

Bei den Berufsvorstellungen der Vollarbeitslosen stehen an erster Stelle die Arbeiter/Hilfsarbeiter (18%), Verkaufsberufe (12%) und Büroangestellte (11%), gefolgt von den Reinigungskräften/Haushaltshilfen (8%) sowie mit 5% die Gesundheits- und Pflegeberufe.

Hier treten deutliche Unterschiede nach Geschlecht zutage: Bei den Männern sind 27% der Arbeitslosen mit dem Berufswunsch Arbeiter/Hilfsarbeiter eingetragen und jeweils rund 7% als Büroangestellte, Fahrer oder in metallverarbeitenden Berufen. Bei den Frauen stehen an erster Stelle mit 20% die Verkäuferinnen, gefolgt von den Büroberufen (16%) und Reinigungskräften/Haushaltshilfen (13%). Danach folgen die Gesundheits- und Pflegeberufe (10%) und Arbeiterin/Hilfsarbeiterin (9%).

Entwicklung

Nachdem die Arbeitslosigkeit 2001 ihren bisherigen Tiefststand in Ostbelgien erreicht hatte (1.462 Arbeitslose und eine Arbeitslosenquote von 4,8% im Jahresdurchschnitt), kletterte die Zahl der Arbeitslosen im Anschluss daran bis August 2006 auf fast 3.000 Personen. Im Zuge des konjunkturellen Aufschwungs in den Jahren 2007 und 2008 sank die Zahl der Arbeitslosen wiederum um jeweils rund 4% in beiden Jahren.            

Ab September 2008 kehrte sich die Tendenz jedoch im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise wieder um: die Arbeitslosenzahlen stiegen an und erreichten im Schnitt 2014 – nach einer vorübergehenden leichten Erholung im Jahr 2011 – einen neuen Höchststand. Seitdem ist erfreulicherweise wieder ein Rückgang der Arbeitslosigkeit festzustellen. Infolgedessen sinkt die Arbeitslosenrate von 8,8% im Jahr 2014 auf 7,6% im Jahr 2017 und erreicht damit fast wieder das Vor-Krisenniveau von 2008 (7,4%).

 

 Betrachtet man den Stand des Jahres 2008 als „Vor-Krisenniveau“, so liegt die Arbeitslosenzahl in der Deutschsprachigen Gemeinschaft heute noch um 6% höher als damals, in Brüssel 1% und in Flandern sogar 26% höher. Lediglich die Wallonie liegt mit einem Minus von -10% unter dem – allerdings hohen - Niveau von 2008.

 

In den anderer Regionen des Landes ist die Arbeitslosenzahl 2017 nicht ganz so stark gesunken wie in Ostbelgien (-6,7%); der Rückgang betrug -4,7% in der Wallonie, -4,5% in Brüssel und -5,4% in Flandern. Im landesweiten Durchschnitt liegt ein Rückgang um -5,0% vor. 

Die Arbeitslosenrate in Ostbelgien ist im Schnitt 2017 weiterhin höher als in Flandern (7,0%), bleibt aber auch deutlich unter dem Niveau der Wallonie (ohne Deutschsprachige Gemeinschaft 14,0%) und der Region Brüssel-Hauptstadt (19,1%).