Bruttowertschöpfung und Bruttoinlandsprodukt

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst die wirtschaftliche Tätigkeit eines Landes oder einer Region. Ausgangspunkt zur Berechnung des BIP ist die Bruttowertschöpfung (BWS). Die Bruttowertschöpfung umfasst den Produktionswert aller Wirtschaftsbereiche, d.h. die Endprodukte an Waren und Dienstleistungen abzüglich der eingegangenen Vorleistungen. Rechnet man zur Bruttowertschöpfung die Steuern hinzu und die Subventionen ab, erhält man das BIP.

Die aktuellsten Zahlen (hier 2016) sind noch nur provisorische Werte, die jeweils im darauffolgenden Jahr neu berechnet und aktualisiert werden.  Sie sind daher mit Vorsicht zu betrachten, und der Kommentar bezieht sich daher auf die Entwicklung bis 2015.

Entwicklung der Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen, in jeweiligen Preisen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft (in Mio. €) (2003-2015/2016)

 

2003

2009

2014

2016 (p)

Entw.
14-15

Land- und Forstwirtschaft

37,8

31,8

33,2

30,4

+4,4%

Steine und Erden

0,5

0,3

0,3

0,3

0%

Herstellende Industrien

307,2

368,3

397,4

426,4

+7,9%

Energie, Wasser, Abfallent.

-36,0

22,4

22,5

23,9

+0,4%

Baugewerbe

84,6

138,9

136,7

133,9

-1,6%

Handel und KFZ

174,7

226,7,6

223,8

239,2

+4,5%

Verkehr und Lagerei

106,0

79,8

79

73,3

-1%

Gastgewerbe

26,9

32,6

34,2

35,2

+4,9%

Information und Kommunikation

12,8

27,4

27,7

26,7

+1,1%

Finanzen und Versicherungen

29,5

42,6

47,7

47,6

+12%

Immobiliensektor

131,2

157,2

157,8

160,8

+0,4%

Freiberufl. u. technische Dienstl.

77,2

106,7

105,3

102,7

-1,3%

Sonstige wirtschaftl. Dienstleist.

20,9

33,8

39,7

45,2

+17,5%

Öffentliche Verwaltung

108,2

144,8

144,5

149,8

-0,3%

Erziehung und Unterricht

90,1

124,8

130,7

136,9

+4,7%

Gesundheits- und Sozialwesen

73,6

140,4

141,1

147,2

+0,5%

Kunst, Unterhaltung u. Erholung

3,9

8,8

10,9

10,9

+23,9%

Sonst. Dienstleist., Privathaush.

23,3

28,3

31,7

33,1

+12%

Total

1.272,4

1.715,6

1.777,1

1.823,5

+3,6%

Quelle: Institut des Comptes Nationaux, Comptes régionaux

Mit einer Bruttowertschöpfung von rund 397 Mio. € im Jahr 2015 kommt der Herstellenden Industrie in der Deutschsprachigen Gemeinschaft eine bedeutende Rolle zu.  Innerhalb der Herstellenden Industrien liefern insbesondere die Herstellung von Elektromaterial (24%), die Kunststoffherstellung (15%), die Metallverarbeitung (14%) sowie die Nahrungsmittelindustrie (13%) den größten Beitrag zur Wertschöpfung.  Damit hat die Herstellende Industrie in der DG ein deutlich höheres Gewicht (rund 22% der gesamten Wertschöpfung) als in den anderen Regionen Belgiens (Wallonie 15%, Flandern 17%). 

An zweiter und dritter Stelle in der Deutschsprachigen Gemeinschaft stehen Handel und KFZ (237 Mio €) sowie das Immobiliengewerbe (157 Mio. €).

Im längerfristigen Vergleich seit 2003 ist eine insgesamt positive Entwicklung der Wertschöpfung zu beobachten, die nur im Jahr 2009 durch die Wirtschaftskrise einen deutlichen Einbruch (insbesondere im verarbeitenden Gewerbe) erlebt hat.  Die prozentuale Entwicklung in der DG (+40%) liegt damit aber recht deutlich unter dem Landesdurchsschnitt von +45%.  Bei diesen Zahlen handelt es sich allerdings um die nominale Wertschöpfung, also nicht um inflationsbereinigte Zahlen.

Das inflationsbereinigte Wirtschaftswachstum im Jahr 2015 beträgt +2,6% in der Deutschsprachigen Gemeinschaft (im Vergleich zum Vorjahr), gegenüber +1,1% in der Wallonie und +2,0% in Flandern, bzw. +1,6% auf Landesebene.  Seit 2009, dem Jahr der Wirtschaftskrise, ist dies damit das erste Jahr, in dem das Wirtschaftswachstum in Ostbelgien noch Mal über dem Landesdurchschnitt lag.  Für 2016 zeichnet sich – gemäß den provisorischen Zahlen - in der Deutschsprachigen Gemeinschaft wieder eine etwas vehaltenere positive Entwicklung ab, mit einem leicht geringeren Wachstum als in den anderen Regionen (+1,2% für Belgien gemäß der provisorischen Zahlen des ICN für 2016).

Anteile der Wirtschaftssektoren an der Bruttowertschöpfung (2015)

Quelle: Institut des Comptes Nationaux, Comptes régionaux

Der Anteil der Wirtschaftssektoren an der Bruttowertschöpfung gibt Aufschluss über die Wirtschaftsstruktur einer Region.  In der Deutschsprachigen Gemeinschaft fällt die relativ hohe Bedeutung des Sekundärsektors auf. Der Sekundärsektor, der die Herstellenden Industrien, den Bereich Elektrizität-Gas-Wasser und das Baugewerbe umfasst, erwirtschaftet mit 31,3% der Bruttowertschöpfung einen um rund 8 Prozentpunkte höheren Anteil als in der Wallonie und gut 5 Prozentpukte mehr als in Flandern. Dies liegt daran, dass vor allem im Kanton Eupen die Herstellenden Industrien mit Schwerpunkten in der Herstellung von Elektromaterial, der Kunststoff- und Nahrungsmittelherstellung sowie der Metallverarbeitung einen besonderen Stellenwert innehat. Ein anderer Wirtschaftsschwerpunkt der Region ist zudem das Baugewerbe, das mit einem Wertschöpfungsanteil von 7,7% in 2015 über den wallonischen und flämischen Werten (jeweils rund 5,5 bzw. 6,1%) liegt. 

Dadurch weist auf der anderen Seite der Tertiärsektor ein vergleichsweise geringeres Gewicht in der Deutschsprachigen Gemeinschaft auf: im Jahr 2018 liegt er um rund 9 Prozentpunkte hinter den wallonischen und 6 Prozentpunkte hinter dem flämischen Wert zurück. 

Im Vergleich zum Jahr 2003 hat die Wirtschaftsleistung des Tertiärsektors zwar insgesamt um 35% zugelegt (bei laufenden Preisen), aber der Sekundärsektor hat sogar 56%hinzugewonnen.  Außerst positiv ist die Entwicklung im Bausektor gewesen (+62% seit 2003), während die Herstellende Industrie nur rund 29% an Wirtschaftsleistung zugelegt hat.  Innerhalb des Tertiärsektors sind (in absoluten Zahlen) insbesondere der Handel und das Gesundheits- und Sozialwesen stark angewachsen, während auf der anderen Seite der Transportsektor stark abgebaut hat (-25%).

Auf Landesebene war die Entwicklung im Sekundärsektor mit +25% deutlich schwächer als in der Deutschsprachigen Gemeinschaft und auch deutlich niedriger als im Dienstleistungssektor, der mit einem Plus von rund 53% deutlich stärker gewachsen ist als in der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Trotz eines stetigen Rückgangs erwirtschaftet der Primärsektor im ländlichen Raum Ostbelgiens immer noch knapp 2% der Bruttowertschöpfung des Jahres 2014, d.h. doppelt so viel wie im übrigen Land.

Bruttoinlandsprodukt pro Kopf

Vergleicht man die Wirtschaftskraft verschiedener Gebiete, wird als Maßeinheit oft das BIP pro Einwohner verwendet. In Regionen mit hohem Pendleranteil gibt dieser Indikator allerdings ein verfälschtes Bild wieder, da das in der Region erwirtschaftete BIP nur durch die Einwohnerzahl geteilt wird (obwohl auch die Einpendler es mit erwirtschaftet haben) und andererseits die durch die Auspendler erwirtschaftete Wertschöpfung im Ausland angerechnet wird. Im Fall der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist das BIP pro Einwohner vergleichsweise niedrig, da sie einen hohen Auspendleranteil aufweist.

Ein reelleres Bild der Wertschöpfung in einem Gebiet entsteht daher, wenn man das BIP durch die Anzahl der Beschäftigten vor Ort (ob Einwohner oder Einpendler) teilt. Nach diesem Konzept betrachtet, erzielt die Deutschsprachige Gemeinschaft 2014 ein Ergebnis von 71.591 € pro Beschäftigtem (wobei hier allerdings nicht der Teilzeitbeschäftigung Rechnung getragen wird). Das liegt immer noch deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 87.912 € und ist zumindest in den letzten Jahren auch weniger gewachsen als in den anderen Landesteilen.

BIP pro Beschäftigtem

 

2003

2014

2015

2016

Entw.
2014-2015

Wallonie

60.504

76.826

77.499

79.093

+0,9%

Flandern

67.654

88.495

89.942

91.465

+1,6%

Brüssel

82.176

104.244

107.166

109.258

+2,8%

Belgien

68.042

87.783

89.216

90.820

+1,6%

Deutschsprachige
Gemeinschaft*

53.345

71.934

72.938

73.976

+1,4%

*Bem.: Es handelt sich hier um eine eigene Schätzung des PIB der Deutschsprachigen Gemeinschaft anhand der aus den anderen Regionen abgeleiteten Ratio VAB/PIB.