Bruttowertschöpfung und Bruttoinlandsprodukt

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst die wirtschaftliche Tätigkeit eines Landes oder einer Region. Ausgangspunkt zur Berechnung des BIP ist die Bruttowertschöpfung (BWS). Die Bruttowertschöpfung umfasst den Produktionswert aller Wirtschaftsbereiche, d.h. die Endprodukte an Waren und Dienstleistungen abzüglich der eingegangenen Vorleistungen. Rechnet man zur Bruttowertschöpfung die Steuern hinzu und die Subventionen ab, erhält man das BIP.

Entwicklung der Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen, in jeweiligen Preisen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft (in Mio. €) (2003-2014)

 

2003

2009

2014

Entw.
03-14

Land- und Forstwirtschaft

37,8

26,1

31,4

-17%

Steine und Erden

0,5

0,4

0,2

-60%

Verarbeitendes Gewerbe

307,2

317,5

363,1

+18%

Energie, Wasser, Abfallent.

-36,0

16,7

22,4

-162%

Baugewerbe

84,6

119,7

138,8

+64%

Handel und KFZ

174,7

209,6

226,5

+30%

Verkehr und Lagerei

106,0

106,8

79,9

-25%

Gastgewerbe

26,9

28,4

32,6

+21%

Information und Kommunikation

12,8

27,4

27,5

+115%

Finanzen und Versicherungen

29,5

43,5

46,5

+58%

Immobiliensektor

131,2

158,7

153,4

+17%

Freiberufl. u. technische Dienstl.

77,2

94,6

105,9

+37%

Sonstige wirtschaftl. Dienstleist.

20,9

25,2

33,5

+60%

Öffentliche Verwaltung

108,2

139,2

144,5

+34%

Erziehung und Unterricht

90,1

112,1

124,3

+38%

Gesundheits- und Sozialwesen

73,6

102,7

139,3

+89%

Kunst, Unterhaltung u. Erholung

3,9

7,8

9,1

+133%

Sonst. Dienstleist., Privathaush.

23,3

32,5

28,5

+22%

Total

1.272,4

1.568,9

1.707,4

+34%

Quelle: Institut des Comptes Nationaux, Comptes régionaux

Mit einer Bruttowertschöpfung von rund 363 Mio. € im Jahr 2014 kommt dem verarbeitenden Gewerbe in der Deutschsprachigen Gemeinschaft eine bedeutende Rolle zu. Innerhalb des verarbeitenden Gewerbes liefern insbesondere die Herstellung von Elektromaterial, die Nahrungsmittelindustrie, die Metallverarbeitung sowie die Kunststoffherstellung den größten Beitrag zur Wertschöpfung. Damit hat das verarbeitende Gewerbe in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ein deutlich höheres Gewicht (rund 21% der gesamten Wertschöpfung) als in den anderen Regionen Belgiens (Wallonie 14%, Flandern 17%).

An zweiter und dritter Stelle stehen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Handel und KFZ (226 Mio €) sowie das Immobiliengewerbe (153 Mio. €).

Im längerfristigen Vergleich seit 2003 ist eine insgesamt positive Entwicklung der Wertschöpfung zu beobachten, die nur im Jahr 2009 durch die Wirtschaftskrise einen deutlichen Einbruch (insbesondere im verarbeitenden Gewerbe) erlebt hat. Die prozentuale Entwicklung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft (+34%) liegt damit aber recht deutlich unter dem Landesdurchsschnitt von +41%. Bei diesen Zahlen handelt es sich allerdings um die nominale Wertschöpfung, also nicht um inflationsbereinigte Zahlen.

Das inflationsbereinigte Wirtschaftswachstum im Jahr 2014 beträgt -0,2% in der Deutschsprachigen Gemeinschaft (im Vergleich zum Vorjahr), gegenüber +1,4% in der Wallonie und +2,2% in Flandern; das ergibt +1,7% auf Landesebene. Für 2015 zeichnet sich hingegen auch in der Deutschsprachigen Gemeinschaft wieder eine positive Entwicklung ab, wenn auch geringer als in den anderen Regionen (+1,6% für Belgien gemäß der provisorischen Zahlen des ICN für 2015).

Anteile der Wirtschaftssektoren an der Bruttowertschöpfung (2014)

Quelle: Institut des Comptes Nationaux, Comptes régionaux

Der Anteil der Wirtschaftsbereiche an der Bruttowertschöpfung gibt Aufschluss über die Wirtschaftsstruktur einer Region. Vergleicht man die Wirtschaftsstruktur der Deutschsprachigen Gemeinschaft mit der der Wallonie und Flanderns, fällt die relativ hohe Bedeutung des Sekundärsektors in der Deutschsprachigen Gemeinschaft auf. Der Sekundärsektor, der das verarbeitende Gewerbe, den Bereich Elektrizität-Gas-Wasser und das Baugewerbe umfasst, erwirtschaftet mit 30,7% der Bruttowertschöpfung einen um rund 7 Prozentpunkte höheren Anteil als in der Wallonie und 5 Prozentpukte mehr als in Flandern. Dies liegt daran, dass vor allem im Norden der Deutschsprachigen Gemeinschaft das verarbeitende Gewerbe mit Schwerpunkten in der Herstellung von Elektromaterial, der Kunststoff- und Nahrungsmittelherstellung sowie der Metallverarbeitung einen besonderen Stellenwert innehat. Ein anderer Wirtschaftsschwerpunkt der Region ist zudem das Baugewerbe, das mit einem Wertschöpfungsanteil von 8,1% in 2014 über den wallonischen und flämischen Werten (jeweils rund 5,5%) liegt.

Dadurch weist auf der anderen Seite der Tertiärsektor ein vergleichsweise geringeres Gewicht in der Deutschsprachigen Gemeinschaft auf: im Jahr 2014 liegt er rund 8% hinter den wallonischen und 6% hinter dem flämischen Wert zurück.

Im Vergleich zum Jahr 2003 hat die Wirtschaftsleistung des Tertiärsektors zwar insgesamt um 31% zugelegt (bei laufenden Preisen), aber der Sekundärsektor hat sogar 47% hinzugewonnen. Außerst positiv ist die Entwicklung im Bausektor gewesen (+64% seit 2003), während der verarbeitende Sektor nur rund 18% an Wirtschaftsleistung zugelegt hat. Innerhalb des Tertiärsektors ist insbesondere das Gesundheits- und Sozialwesen stark angewachsen, während auf der anderen Seite der Transportsektor stark abgebaut hat (-25%).

Auf Landesebene war die Entwicklung im Sekundärsektor mit +21% deutlich schwächer als in der Deutschsprachigen Gemeinschaft und auch deutlich niedriger als im Dienstleistungssektor, der mit einem Plus von rund 49% stärker gewachsen ist als in der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Trotz eines stetigen Rückgangs erwirtschaftet der Primärsektor im ländlichen Raum der Deutschsprachigen Gemeinschaft immer noch rund 2% der Bruttowertschöpfung des Jahres 2014, d.h. doppelt so viel wie im übrigen Land.

Bruttoinlandsprodukt pro Kopf

Vergleicht man die Wirtschaftskraft verschiedener Gebiete, wird als Maßeinheit oft das BIP pro Einwohner verwendet. In Regionen mit hohem Pendleranteil gibt dieser Indikator allerdings ein verfälschtes Bild wieder, da das in der Region erwirtschaftete BIP nur durch die Einwohnerzahl geteilt wird (obwohl auch die Einpendler es mit erwirtschaftet haben) und andererseits die durch die Auspendler erwirtschaftete Wertschöpfung im Ausland angerechnet wird. Im Fall der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist das BIP pro Einwohner vergleichsweise niedrig, da sie einen hohen Auspendleranteil aufweist.

Ein reelleres Bild der Wertschöpfung in einem Gebiet entsteht daher, wenn man das BIP durch die Anzahl der Beschäftigten vor Ort (ob Einwohner oder Einpendler) teilt. Nach diesem Konzept betrachtet, erzielt die Deutschsprachige Gemeinschaft 2014 ein Ergebnis von 71.591 € pro Beschäftigtem (wobei hier allerdings nicht der Teilzeitbeschäftigung Rechnung getragen wird). Das liegt immer noch deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 87.912 € und ist zumindest in den letzten Jahren auch weniger gewachsen als in den anderen Landesteilen.

BIP pro Beschäftigtem

 

2005

2009

2013

2014

Entw.
13-14

Brüssel

90.154

96.175

104.782

106.075

+1,2%

Flandern

72.760

78.005

86.617

88.291

+1,9%

Wallonie

64.353

69.384

75.037

76.711

+2,2%

Belgien

73.200

78.456

86.277

87.912

+1,9%

Deutschsprachige
Gemeinschaft*

58.750

64.723

71.025

71.591

+0,8%

*Bem.: Es handelt sich hier um eine eigene Schätzung des PIB der Deutschsprachigen Gemeinschaft anhand der aus den anderen Regionen abgeleiteten Ratio VAB/PIB.