Bruttowertschöpfung und Bruttoinlandsprodukt

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst die wirtschaftliche Tätigkeit eines Landes oder einer Region. Ausgangspunkt, um das BIP zu berechnen, ist die Bruttowertschöpfung (BWS). Die Bruttowertschöpfung umfasst den Produktionswert aller Wirtschaftsbereiche, d.h. die Endprodukte an Waren und Dienstleistungen abzüglich der eingegangenen Vorleistungen. Rechnet man zur Bruttowertschöpfung die Steuern hinzu und die Subventionen ab, erhält man das BIP.

Die aktuellsten Zahlen (hier 2018) sind noch nur provisorische Werte, die jeweils im darauffolgenden Jahr neu berechnet und aktualisiert werden.  Sie sind daher mit Vorsicht zu betrachten, und der Kommentar bezieht sich daher auf die Entwicklung bis 2017.

Entwicklung der Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen, in jeweiligen Preisen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft (in Mio. €) (2003-2017/2018)

  2003 2016 2017 2018 (p) Entwicklung
16-17
Land- und Forstwirtschaft 37,8 31,7 33,1 26,3 4,4%
Steine und Erden 0,5 0,4 0,5 0,5 25,0%
Herstellende Industrien 307,2 397,3 416,5 422,5 4,8%
Energie, Wasser, Abfallent. 36 28,3 26,1 25,7 7,8%
Baugewerbe 84,6 128,9 124,8 131,7 3,2%
Handel und KFZ 174,7 233,4 257,1 269,5 10,2%
Verkehr und Lagerei 106 76,6 76,4 76,7 0,3%
Gastgewerbe 26,9 37,8 39,8 38,5 5,3%
Information und Kommunikation 12,8 24 30,8 27,6 28,3%
Finanzen und Versicherungen 29,5 40,5 41,2 41,9 1,7%
Immobiliensektor 131,2 175,1 184 194 5,1%
Freiberufl.u. technische Dienstl. 77,2 116,9 120 123,4 2,7%
Sonstige wirtschaftl. Dienstleist. 20,9 44,1 45,2 46,8 2,5%
Öffentliche Verwaltung 108,2 154,4 162,2 163,4 5,1%
Erziehung und Unterricht 90,1 136,5 142,1 148 4,1%
Gesundheits- und Sozialwesen 73,6 143,6 132,1 137 -8%
Kunst, Unterhaltung u. Erholung 3,9 20 21,2 21,5 6%
Sonst. Dienstleist., Privathaush. 23,3 32,2 33,2 35 3,1%
Total 1.272,4 1.821,7 1.886,3 1.930,0 3,5%

Quelle: Institut des Comptes Nationaux, Comptes régionaux

Anteile der Wirtschaftssektoren an der Bruttowertschöpfung (2017)

Bruttowertschoepfung_2017_Wirtschaftssektoren

Quelle: Institut des Comptes Nationaux, Comptes régionaux

Mit einer Bruttowertschöpfung von rund 416 Mio. Euro im Jahr 2017 kommt der herstellenden Industrie in der Deutschsprachigen Gemeinschaft eine bedeutende Rolle zu. Innerhalb der herstellenden Industrien liefern insbesondere die Kunststoffherstellung (19%), die Herstellung von Elektromaterial (17%), die Metallverarbeitung (16%) sowie die Nahrungsmittelindustrie (14%) und der Sektor Reparatur von Maschinen und sonstige Herstellung (13%) den größten Beitrag zur Wertschöpfung.  Damit hat die herstellende Industrie in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ein deutlich höheres Gewicht (rund 22% der gesamten Wertschöpfung) als in den anderen Regionen Belgiens (Wallonie 14%, Flandern 17%). 

An zweiter und dritter Stelle in der Deutschsprachigen Gemeinschaft stehen Handel und KFZ (257 Mio Euro) sowie das Immobiliengewerbe (184 Mio. Euro).

Im längerfristigen Vergleich seit 2003 ist eine insgesamt positive Entwicklung der Wertschöpfung zu beobachten, die nur im Jahr 2009 durch die Wirtschaftskrise einen deutlichen Einbruch (insbesondere im verarbeitenden Gewerbe) erlebt hat.  Die prozentuale Entwicklung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft (+52%) liegt damit aber recht deutlich unter dem Landesdurchsschnitt von +61%.  Bei diesen Zahlen handelt es sich allerdings um die nominale Wertschöpfung, also nicht um inflationsbereinigte Zahlen.

Das inflationsbereinigte Wirtschaftswachstum im Jahr 2017 beträgt +1,8% in der Deutschsprachigen Gemeinschaft (im Vergleich zum Vorjahr), gegenüber +2,3% in der Wallonie und +2,0% in Flandern, bzw. +1,9% auf Landesebene.  Für 2018 zeichnet sich – gemäß den provisorischen Zahlen - in der Deutschsprachigen Gemeinschaft wieder eine etwas vehaltenere positive Entwicklung ab, mit einem geringeren Wachstum als in den anderen Regionen (+1,5% für Belgien gemäß der provisorischen Zahlen des ICN für 2018).

Der Anteil der Wirtschaftssektoren an der Bruttowertschöpfung gibt Aufschluss über die Wirtschaftsstruktur einer Region.  In der Deutschsprachigen Gemeinschaft fällt die relativ hohe Bedeutung des Sekundärsektors auf. Der Sekundärsektor, der die herstellenden Industrien, den Bereich Elektrizität-Gas-Wasser und das Baugewerbe umfasst, erwirtschaftet mit 30,1% der Bruttowertschöpfung einen um rund 7 Prozentpunkte höheren Anteil als in der Wallonie und knapp 5 Prozentpukte mehr als in Flandern. Dies liegt daran, dass vor allem im Kanton Eupen die herstellenden Industrien mit Schwerpunkten in der Herstellung von Elektromaterial, der Kunststoff- und Nahrungsmittelherstellung sowie der Metallverarbeitung einen besonderen Stellenwert inne hat. Ein anderer Wirtschaftsschwerpunkt der Region ist zudem das Baugewerbe, das mit einem Wertschöpfungsanteil von 6,6% in 2017 zwar noch über den wallonischen und flämischen Werten (jeweils rund 5,2 bzw. 5,9%) liegt, dessen Gewicht aber seit einigen Jahren sinkt.

Dadurch weist auf der anderen Seite der Tertiärsektor ein vergleichsweise geringeres Gewicht in der Deutschsprachigen Gemeinschaft auf: Im Jahr 2018 liegt er um rund 10 Prozentpunkte hinter den wallonischen und 7 Prozentpunkte hinter dem flämischen Wert zurück. 

Im Vergleich zum Jahr 2003 hat die Wirtschaftsleistung des Tertiärsektors zwar insgesamt um 48% zugelegt (bei laufenden Preisen), aber der Sekundärsektor hat sogar 59% hinzugewonnen.  Währen die Entwicklung im Bausektor diesem Durchschnitt entsprach, hat die herstellende Industrie mit +36% vergleichsweise weniger an Wirtschaftsleistung zugelegt.  Innerhalb des Tertiärsektors sind (in absoluten Zahlen) insbesondere der Handel und das Gesundheits- und Sozialwesen stark angewachsen, während auf der anderen Seite der Transportsektor als einziger deutlich abgebaut hat.

Auf Landesebene war die Entwicklung im Sekundärsektor mit +32% deutlich schwächer als in der Deutschsprachigen Gemeinschaft und auch deutlich niedriger als im Dienstleistungssektor, der mit einem Plus von rund 67% deutlich stärker gewachsen ist als in der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Trotz eines stetigen Rückgangs erwirtschaftet der Primärsektor im ländlichen Raum Ostbelgiens immer noch knapp 2% der Bruttowertschöpfung des Jahres 2017, d.h. doppelt so viel wie im übrigen Land.

Bruttoinlandsprodukt pro Kopf

Vergleicht man die Wirtschaftskraft verschiedener Gebiete, wird als Maßeinheit oft das BIP pro Einwohner verwendet.  In Regionen mit hohem Pendleranteil gibt dieser Indikator allerdings ein verfälschtes Bild wieder, da das in der Region erwirtschaftete BIP nur durch die Einwohnerzahl geteilt wird (obwohl auch die Einpendler es mit erwirtschaftet haben) und andererseits die durch die Auspendler erwirtschaftete Wertschöpfung im Ausland angerechnet wird.  Im Fall der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist das BIP pro Einwohner vergleichsweise niedrig, da die Deutschsprachige Gemeinschaft einen hohen Auspendleranteil aufweist.

Ein reelleres Bild der Wertschöpfung in einem Gebiet entsteht daher, wenn man das BIP durch die Anzahl der Beschäftigten vor Ort (ob Einwohner oder Einpendler) teilt.  Nach diesem Konzept betrachtet, erzielt die Deutschsprachigen Gemeinschaft 2017 ein Ergebnis von 74.243 Euro pro Beschäftigtem (wobei hier allerdings nicht der Teilzeitbeschäftigung Rechnung getragen wird, deren Anteil in der Deutschsprachigen Gemeinschaft höher liegt als im Rest des Landes).  Das liegt immer noch deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 93.943 Euro und ist in den letzten Jahren auch weniger gewachsen als in den anderen Landesteilen.

BIP pro Beschäftigtem

2003

2016

2017

2018(p)

Entw.
2016-2017

Wallonie

60.499

78.879

80.973

82.496

+2,7%

Flandern

67.653

92.106

93.978

95.454

+2,0%

Brüssel

82.185

115.472

117.221

118.919

+1,5%

Belgien

68.042

92.051

93.943

95.455

+2,1%

Deutschsprachige
Gemeinschaft*

53.345

72.773

74.243

75.495

+2,0%

*Bem.: Es handelt sich hier um eine eigene Schätzung des PIB der Deutschsprachigen Gemeinschaft anhand der aus den anderen Regionen abgeleiteten Ratio VAB/PIB.