Produktivität

Die Leistungsfähigkeit einer Wirtschaftsproduktion kann auch durch den Indikator der „sichtbaren Arbeitsproduktivität“ ermittelt werden. Dieser stellt das Verhältnis des Produktionsergebnisses zum Input an Arbeit dar.

Die Produktivität im Vergleich (2014)

Betrachtet man die Ratio der Bruttowertschöpfung zur Beschäftigung der Deutschsprachigen Gemeinschaft im Jahr 2014 (da die Werte für 2015 noch provisorisch sind) und vergleicht sie mit der Wallonie, Flandern, Brüssel und dem belgischen Durchschnitt, dann fällt auf, dass die Werte für die Deutschsprachige Gemeinschaft meist unter den Werten der anderen Regionen liegen.

Eine umfassende Erklärung für den globalen Produktivitätsrückstand der Wirtschaft in der Deutschsprachigen Gemeinschaft liegt nicht vor. Ein Element der Erklärung mag darin liegen, dass gewisse Wirtschaftszweige, die in der Deutschsprachigen Gemeinschaft eine deutlich geringere Arbeitsproduktivität aufweisen (wie z.B. das verarbeitende Gewerbe), einen vergleichsweise höheren Anteil an der gesamten Wertschöpfung ausmachen, während Sektoren mit hoher Produktivität und höherer Entwicklungsdynamik (etwa die Dienstleistungen für Unternehmen) ein geringeres Gewicht haben. Auch sind gewisse hochproduktive Wirtschaftszweige in der Deutschsprachigen Gemeinschaft erst gar nicht vertreten (Pharmaindustrie, Mineralölverarbeitung, …). Andere Erklärungsansätze finden sich in der unterschiedlichen Größenstruktur der Betriebe (viele Kleinstbetriebe in der Deutschsprachigen Gemeinschaft, Sozialsitze von Gruppen meist außerhalb der Deutschsprachigen Gemeinschaft), in der Lohnstruktur (höherer Arbeiter- und geringerer Angestelltenanteil, etwas höherer Anteil an Niedrigverdienern) und im höheren Anteil an Teilzeitbeschäftigten in der Deutschsprachigen Gemeinschaft (dem in dieser Berechnung der Produktivität nicht Rechnung getragen wird).

Im Vergleich zur Wallonie weisen sehr wohl einige Sektoren der Deutschsprachigen Gemeinschaft eine höhere Produktivität auf (Land- und Forstwirtschaft, Baugewerbe, Handel und KFZ, Transport, …). Eine höhere Produktivität als in Flandern verzeichnet in der Deutschsprachigen Gemeinschaft hingegen kein Sektor.

Arbeitsproduktivität pro Region (2014)

in Euro

Deutschsprachige
Gemeinschaft

Wallonie

Flandern

Belgien

DG/Bel
(Bel=100)

Land- und Forstwirtschaft

37.877

36.840

45.693

43.131

87,8

Steine und Erden

50.000

94.027

137.076

104.187

48,0

Herstellende Industrien

72.766

93.746

100.764

98.432

73,9

Energie, Wasser, Abfallent.

144.516

156.848

176.664

170.204

84,9

Baugewerbe

64.648

58.682

78.924

73.461

88,0

Handel und Reparatur

61.936

57.941

82.250

76.617

80,8

Verkehr und Lagerei

74.326

70.984

81.367

80.842

91,9

Gastgewerbe

35.667

38.316

46.849

45.211

78,9

Information und Kommunikation

86.751

108.771

127.430

131.704

65,9

Finanzen und Versicherungen

115.385

158.428

161.231

181.768

63,5

Freiberufl. u. technische Dienstl.

57.837

62.707

74.077

73.434

78,8

Sonstige wirtschaftl. Dienstleist.

29.964

27.265

42.759

38.923

77,0

Öffentliche Verwaltung

61.489

61.858

62.173

66.591

92,3

Erziehung und Unterricht

57.841

66.901

64.924

66.118

87,5

Gesundheits- und Sozialwesen

42.928

46.717

46.280

47.284

90,8

Kunst, Unterhaltung und Erholung

23.698

48.076

61.476

60.372

39,3

Sonstige Dienstleist., Privathaush.

27.886

32.389

31.201

37.515

74,3

Total 64.046 68.871 78.967 78.628 81,5

Quelle: Institut des Comptes Nationaux, Comptes régionaux

In den Jahren 2005-2014 ist die Produktivität in der Deutschsprachigen Gemeinschaft fast kontinuierlich angestiegen (+22% insgesamt). Dieser Anstieg basiert darauf, dass die Wertschöpfung stärker gestiegen ist als die Beschäftigung.

Die Produktivität ist in der Deutschsprachigen Gemeinschaft auch etwas stärker gestiegen als in den belgischen Regionen (Landesschnitt +20%), so dass die Deutschsprachige Gemeinschaft einen Teil ihres Rückstandes hat aufholen können. Allerdings hat sich die Beschäftigung in den anderen Regionen positiver entwickelt als in der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Wirtschaftswachstum

Im Jahr 2014 betrug das Wirtschaftswachstum (also das inflationsbereinigte Wachstum des BIP) in der Deutschsprachigen Gemeinschaft -0,2% im Vergleich zum Vorjahr. Demgegenüber steht ein Plus von +1,4% in der Wallonie und +2,2% in Flandern; auf Landesebene wurde ein Plus von +1,7% verzeichnet.

Für 2015 zeichnet sich hingegen auch in der Deutschsprachigen Gemeinschaft wieder eine positive Entwicklung ab, wenn auch geringer als in den anderen Regionen (+1,6% für Belgien gemäß der provisorischen Zahlen des ICN für 2015).