Produktivität

Die Leistungsfähigkeit einer Wirtschaftsproduktion kann auch durch den Indikator der „sichtbaren Arbeitsproduktivität“ ermittelt werden. Dieser stellt das Verhältnis des Produktionsergebnisses zum Input an Arbeit dar.

Die Produktivität im Vergleich (2015)

Betrachtet man die Ratio der Bruttowertschöpfung zur Beschäftigung der Deutschsprachigen Gemeinschaft im Jahr 2015 (da die Werte für 2016 noch provisorisch sind) und vergleicht sie mit der Wallonie, Flandern, Brüssel und dem belgischen Durchschnitt, dann fällt auf, dass die Werte für die Deutschsprachige Gemeinschaft meist unter den Werten der anderen Regionen liegen.

Eine umfassende Erklärung für den globalen Produktivitätsrückstand der Wirtschaft in der Deutschsprachigen Gemeinschaft liegt nicht vor. Ein Element der Erklärung mag darin liegen, dass gewisse Wirtschaftszweige, die hierzulande eine deutlich geringere Arbeitsproduktivität aufweisen (wie z.B.  die Herstellenden Industrien), einen vergleichsweise höheren Anteil an der gesamten Wertschöpfung ausmachen, während Sektoren mit hoher Produktivität und höherer Entwicklungsdynamik (etwa die Dienstleistungen für Unternehmen) ein geringeres Gewicht haben.  Auch sind gewisse hochproduktive Wirtschaftszweige in der Deutschsprachigen Gemeinschaft erst gar nicht vertreten (Pharmaindustrie, Mineralölverarbeitung, …). Andere Erklärungsansätze finden sich in der unterschiedlichen Größenstruktur der Betriebe (viele Kleinstbetriebe hierzulande, Sozialsitze von Gruppen meist außerhalb der Deutschsprachigen Gemeinschaft), in der Lohnstruktur (höherer Arbeiter- und geringerer Angestelltenanteil, etwas höherer Anteil an Niedrigverdienern) und im höheren Anteil an Teilzeitbeschäftigten in der Deutschsprachigen Gemeinschaft (dem in dieser Berechnung der Produktivität nicht Rechnung getragen wird).

Im Vergleich zur Wallonie weisen sehr wohl einige Sektoren der Deutschsprachigen Gemeinschaft eine höhere Produktivität auf (Land- und Forstwirtschaft, Baugewerbe, Handel und KFZ, Transport, …).  Eine höhere Produktivität als in  Flandern verzeichnet hierzulande hingegen kein Sektor. 

Arbeitsproduktivität pro Region (2015)

in Euro

Deutschsprachige
Gemeinschaft

Wallonie

Flandern

Belgien

DG/Bel
(Bel=100)

Land- und Forstwirtschaft

41.140

39.410

49.554

46.637

88,2

Steine und Erden

75.000

74.806

143.902

92.797

80.8

Herstellende Industrien

78.136

98.966

106.854

105.636

74

Energie, Wasser, Abfallent.

129.310

155.227

188.949

177.973

72.7

Baugewerbe

63.759

58.260

80.005

73.593

86.6

Handel und Reparatur

64.629

59.861

82.570

77.518

83.4

Verkehr und Lagerei

70.536

70.396

87.048

84.250

83.7

Gastgewerbe

35.113

38.801

48.132

46.098

76.2

Information und Kommunikation

89.355

118.707

128.824

135.935

65.7

Finanzen und Versicherungen

121.995

155.867

156.479

176.007

69.3

Freiberufl. u. technische Dienstl.

58.113

63.453

75.547

74.503

78

Sonstige wirtschaftl. Dienstleist.

32.120

28.960

42.986

40.280

79.7

Öffentliche Verwaltung

61.578

61.377

62.171

66.458

92.7

Erziehung und Unterricht

59.735

66.979

66.159

66.880

89.3

Gesundheits- und Sozialwesen

42.667

46.018

45.585

46.497

91.8

Kunst, Unterhaltung und Erholung

26.014

47.789

65.576

61.672

42.2

Sonstige Dienstleist., Privathaush.

27.257

31.973

31.008

37.091

73.5

Total 65.303 69.386 80.527 79.877 81,8

Quelle: Institut des Comptes Nationaux, Comptes régionaux

In den Jahren 2003-2015 ist die Produktivität in der Deutschsprachigen Gemeinschaft fast kontinuierlich angestiegen (+35% insgesamt).  Dieser Anstieg basiert darauf, dass die Wertschöpfung deutlich stärker gestiegen ist (+40%) als die Beschäftigung (+2%).

Die Produktivität ist in der Deutschsprachigen Gemeinschaft auch etwas stärker gestiegen als in den belgischen Regionen (Landesschnitt +31%), so dass sie einen Teil ihres Rückstandes hat aufholen können.  Allerdings hat sich die Beschäftigung in den anderen Regionen positiver entwickelt als in hierzulande (+11% im Landesschnitt).

Wirtschaftswachstum

Im Jahr 2015 betrug das Wirtschaftswachstum (also das inflationsbereinigte Wachstum des BIP) in der Deutschsprachigen Gemeinschaft +2,6% im Vergleich zum Vorjahr. Demgegenüber steht ein Plus von +1,1% in der Wallonie und +2,0% in Flandern, bzw. +1,6% auf Landesebene.  

Seit 2009, dem Jahr der Wirtschaftskrise, ist dies damit das erste Jahr, in dem das Wirtschaftswachstum in Ostbelgien noch Mal über dem Landesdurchschnitt lag.  Für 2016 zeichnet sich – gemäß den provisorischen Zahlen - in der Deutschsprachigen Gemeinschaft wieder eine etwas vehaltenere positive Entwicklung ab, mit einem leicht geringeren Wachstum als in den anderen Regionen (+1,2% für Belgien gemäß der provisorischen Zahlen des ICN für 2016).