Aktualisiert am 19.02.2019

Innerbelgische Pendler

Geht man von den 20.474 erfassten Arbeitnehmern mit Arbeitsort Deutschsprachige Gemeinschaft aus, so wohnen 70% auch hier. Die Zahl der Deutschsprachigen, die ins Inland pendeln, sinkt seit 2008. Die Zahl der Einpendler steigt seit 2013 wieder an.

Die Mobilität der Arbeitnehmer innerhalb Belgiens kann anhand der Relation von Wohn- und Arbeitsort eines Arbeitnehmers analysiert werden. Die entsprechenden Daten sind in den trimestriellen multifunktionalen ONSS-Erklärungen der Arbeitgeber enthalten. Seit der Regionalisierung der Beschäftigungskompetenz im Jahr 2014 werden diese Daten noch präziser (im Prinzip für alle Arbeitgeber) und häufiger (jedes Trimester) erfasst.

Dennoch sind die hier veröffentlichten Daten noch nicht ganz komplett: Das Personal der provinzialen und lokalen Behörden, d.h. der Gemeindeverwaltungen, Interkommunalen, ÖSHZ, Polizeizonen etc. ist noch nicht inbegriffen (in der Deutschsprachigen Gemeinschaft rund 1.980 Personen). Und auch bei der ONSS geben nicht alle Arbeitgeber für jeden Arbeitnehmer den Wohnort an. Insbesondere ausländische Unternehmen ohne Sitz in der Deutschsprachige Gemeinschaft, die z.B. einen Vertreter hier vor Ort beschäftigen, können als Arbeitsort auch „DG“ angeben. So wurden 2017 482 Personen mit Arbeitsort „DG“ (aber keine Gemeinde) angegeben.

Insgesamt sind 20.474 Arbeitnehmer mit Arbeitsort Deutschsprachige Gemeinschaft erfasst (Stand Juni 2017), während die Zahl der Arbeitsplätze 2017 in der Deutschsprachigen Gemeinschaft 22.682 betrug. Allerdings kann ein Arbeitnehmer auch mehrere Arbeitsplätze haben, so dass die Zahl der Arbeitsplätze ohnehin etwas höher liegt als die Anzahl der Personen.

Die nachfolgenden Angaben beziehen sich also auf knapp 90% der Arbeitnehmer in Belgien.

Quelle: ONSS, 30.06.17

Geht man von den 20.474 erfassten Arbeitnehmern mit Arbeitsort Deutschsprachige Gemeinschaft aus, so wird ersichtlich, dass 14.362 davon auch in der Deutschsprachigen Gemeinschaft wohnhaft sind (70%), während 5.527 (27%) im frankophonen Landesteil wohnen, 486 im flämischen Landesteil und 99 in Brüssel.

Umgekehrt sind von 17.883 in der Deutschsprachigen Gemeinschaft wohnhaften Arbeitnehmern 14.362 auch hier vor Ort beschäftigt (80%), während 2.938 (16%) im frankophonen Landesteil arbeiten, 315 in Flandern und 268 in Brüssel.

Auf Ebene des Landes gesehen ist die Deutschsprachige Gemeinschaft also ein Netto-Importeur von Arbeitskräften. Die Zahl der Deutschsprachigen, die ins Inland pendeln, ist seit 2008 (4.286 Personen) von Jahr zu Jahr gesunken, nur 2017 ist ihre Zahl im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben . Die Zahl der Einpendler ist ebenfalls ab 2008 gesunken, steigt seit 2013 allerdings wieder an.

Gegenüber dem benachbarten Ausland ist die Deutschsprachige Gemeinschaft hingegen ein Netto-Exporteur (nur knapp 700 Personen aus den Nachbarländern, vorwiegend aus Deutschland, arbeiten in der Deutschsprachigen Gemeinschaft). Insgesamt gesehen ist die Deutschsprachige Gemeinschaft ein Netto-Exporteur von Arbeitskräften an die umliegenden Gebiete.

Interessant ist auch, wie viele Personen innerhalb der Deutschsprachigen Gemeinschaft zwischen den Kantonen und Gemeinden pendeln.

So zeigt sich, dass 86% der im Kanton St.Vith wohnenden Arbeitnehmer dort ihren Arbeitsplatz haben und 14% im Kanton Eupen beschäftigt sind (Pendler ins Ausland sind in diesen Zahlen nicht inbegriffen). Umgekehrt pendeln nur 3% der im Norden wohnhaften Arbeitnehmer in den Kanton St.Vith und 97% haben ihren Arbeitsplatz vor Ort.

Damit sind die Pendlerzahlen zwischen dem Norden und Süden Ostbelgiens innerhalb der letzten 8 Jahre deutlich zurückgegangen, und zwar in beide Richtungen: Die Zahl der Pendler vom Norden zum Süden hat sich seit 2009 halbiert (auf 229 Personen), und umgekehrt ist die Zahl der Pendler aus dem Süden nach Norden um ein Viertel zurückgegangen (auf 909 Personen).