Aktualisiert am 20.08.2020

Innerbelgische Pendler

Die Mobilität der Arbeitnehmer innerhalb Belgiens kann anhand des Verhältnisses von Wohn- und Arbeitsort eines Arbeitnehmers analysiert werden. Die entsprechenden Daten sind in den trimestriellen multifunktionalen ONSS-Erklärungen der Arbeitgeber enthalten. Seitdem die Zuständigkeit für Beschäftigung zu den Regionen gewandert ist, werden diese Daten noch präziser (im Prinzip für alle Arbeitgeber) und häufiger (jedes Trimester) erfasst.

Dennoch sind die hier veröffentlichten Daten noch teilweise unvollständig: das Personal der provinzialen und lokalen Behörden, etwa der Gemeindeverwaltungen, Interkommunalen, ÖSHZ oder Polizeizonen, ist noch nicht inbegriffen (in der Deutschsprachigen Gemeinschaft rund 1.940 Personen) und auch bei der ONSS geben nicht alle Arbeitgeber für jeden Arbeitnehmer den Wohnort an. Insbesondere ausländische Unternehmen ohne Sitz in der Deutschsprachigen Gemeinschaft, die z.B. einen Vertreter hier vor Ort beschäftigen, können als Arbeitsort auch „DG“ angeben. So wurden 2018 466 Personen mit Arbeitsort „DG“ (aber keine Gemeinde) angegeben.

Insgesamt sind 20.540 Arbeitnehmer mit Arbeitsort Deutschsprachige Gemeinschaft erfasst (Stand Juni 2018), während die Zahl der Arbeitsplätze 2018 in der Deutschsprachigen Gemeinschaft 22.683 betrug. Allerdings kann ein Arbeitnehmer auch mehrere Arbeitsplätze haben, so dass die Zahl der Arbeitsplätze ohnehin etwas höher liegt als die Anzahl der Personen.

Die nachfolgenden Angaben beziehen sich also auf knapp 90% der Arbeitnehmer in Belgien.

Quelle: ONSS, 30.06.18

Geht man von den 20.540 erfassten Arbeitnehmern mit Arbeitsort Deutschsprachige Gemeinschaft aus, so wird ersichtlich, dass 14.426 davon auch in der Deutschsprachigen Gemeinschaft wohnhaft sind (70%), während 5.5677 (27%) im frankophonen Landesteil wohnen, 456 im flämischen Landesteil und 91 in Brüssel.

Umgekehrt sind von 17.938 in der Deutschsprachigen Gemeinschaft wohnhaften Arbeitnehmern 14.426 auch hier vor Ort beschäftigt (80%), während 2.925 (16%) im frankophonen Landesteil arbeiten, 310 in Flandern und 277 in Brüssel.

Auf Ebene des Landes gesehen ist die Deutschsprachige Gemeinschaft also ein Netto-Importeur von Arbeitskräften. Die Zahl der Deutschsprachigen, die ins Inland pendeln, ist seit 2008 (4.286 Personen) von Jahr zu Jahr gesunken, seit 2016 ist ihre Zahl mit rund 3.500 Personen mehr oder weniger stabil geblieben. Die Zahl der Einpendler ist ebenfalls ab 2008 gesunken, steigt seit 2013 allerdings wieder an.

Gegenüber dem benachbarten Ausland ist die Deutschsprachige Gemeinschaft hingegen ein Netto-Exporteur (nur rund 620 Personen aus den Nachbarländern, vorwiegend aus Deutschland, arbeiten in der Deutschsprachigen Gemeinschaft). Insgesamt gesehen ist die Deutschsprachige Gemeinschaft ein Netto-Exporteur von Arbeitskräften an die umliegenden Gebiete.

Interessant ist auch, wie viele Personen innerhalb der Deutschsprachigen Gemeinschaft zwischen den Kantonen und Gemeinden pendeln.

So zeigt sich, dass 87% der im Kanton St.Vith wohnenden Arbeitnehmer dort ihren Arbeitsplatz haben und 13% im Kanton Eupen beschäftigt sind (Pendler ins Ausland sind in diesen Zahlen nicht inbegriffen). Umgekehrt pendeln nur 2% der im Norden wohnhaften Arbeitnehmer in den Kanton St.Vith und 98% haben ihren Arbeitsplatz vor Ort.

Damit sind die Pendlerzahlen zwischen dem Norden und Süden Ostbelgiens innerhalb der letzten 8 Jahre deutlich zurückgegangen, und zwar in beide Richtungen: Die Zahl der Pendler vom Norden zum Süden hat sich seit 2009 mehr als halbiert (auf 200 Personen), und umgekehrt ist die Zahl der Pendler aus dem Süden nach Norden um ein Drittel zurückgegangen (auf 843 Personen).