Aktualisiert am 17.01.2019

Innerbelgische Pendler

Die Mobilität der Arbeitnehmer innerhalb Belgiens kann anhand der Relation von Wohn- und Arbeitsort eines Arbeitnehmers analysiert werden. Die entsprechenden Daten sind in den trimestriellen multifunktionalen ONSS-Erklärungen der Arbeitgeber enthalten. Seit der Regionalisierung der Beschäftigungskompetenz im Jahr 2014 werden diese Daten noch präziser (im Prinzip für alle Arbeitgeber) und häufiger (jedes Trimester) erfasst.

Dennoch sind die hier veröffentlichten Daten noch nicht ganz komplett: Das Personal der provinzialen und lokalen Behörden, d.h. der Gemeindeverwaltungen, Interkommunalen, ÖSHZ, Polizeizonen etc. ist noch nicht inbegriffen (in der Deutschsprachigen Gemeinschaft rund 1.900 Personen) und auch bei der ONSS geben nicht alle Arbeitgeber für jeden Arbeitnehmer den Wohnort an. Insbesondere ausländische Unternehmen ohne Sitz in der Deutschsprachige Gemeinschaft, die z.B. einen Vertreter hier vor Ort beschäftigen, können als Arbeitsort auch „Deutschsprachige Gemeinschaft“ angeben. So wurden 2016 420 Personen mit Arbeitsort „Deutschsprachige Gemeinschaft“ (keine Gemeinde) angegeben.

Insgesamt sind 20.194 Arbeitnehmer mit Arbeitsort Deutschsprachige Gemeinschaft erfasst (Stand Juni 2016), während die Zahl der Arbeitsplätze 2016 in der Deutschsprachigen Gemeinschaft 22.422 betrug. Allerdings kann ein Arbeitnehmer auch mehrere Arbeitsplätze haben, so dass die Zahl der Arbeitsplätze ohnehin etwas höher liegt als die Anzahl der Personen.

Die nachfolgenden Angaben beziehen sich also auf knapp 90% der Arbeitnehmer in Belgien.

Geht man von den 20.194 erfassten Arbeitnehmern mit Arbeitsort Deutschsprachige Gemeinschaft aus, so wird ersichtlich, dass 14.143 davon auch in der Deutschsprachigen Gemeinschaft wohnhaft sind (70%), während 5.459 (27%) im frankophonen Landesteil wohnen, 496 im flämischen Landesteil und 96 in Brüssel.

Umgekehrt sind von 17.663 in der Deutschsprachigen Gemeinschaft wohnhaften Arbeitnehmern 14.143 auch hier vor Ort beschäftigt (80%), während 2.877 (16%) im frankophonen Landesteil arbeiten, 336 in Flandern und 307 in Brüssel.

Auf Ebene des Landes gesehen ist die Deutschsprachige Gemeinschaft also ein Netto-Importeur von Arbeitskräften. Die Zahl der Deutschsprachigen, die ins Inland pendeln, sinkt seit 2008 von Jahr zu Jahr ab. Die Zahl der Einpendler ist ebenfalls ab 2008 gesunken, steigt seit 2013 allerdings wieder an.

Gegenüber dem benachbarten Ausland ist die Deutschsprachige Gemeinschaft hingegen ein Netto-Exporteur (nur rund 630 Personen aus den Nachbarländern, vorwiegend aus Deutschland, arbeiten in der Deutschsprachigen Gemeinschaft). Insgesamt gesehen ist die Deutschsprachige Gemeinschaft ein Netto-Exporteur von Arbeitskräften an die umliegenden Gebiete.

Interessant ist auch, wie viele Personen innerhalb der Deutschsprachigen Gemeinschaft zwischen den Kantonen und Gemeinden pendeln.

So zeigt sich, dass 85% der im Kanton St.Vith wohnenden Arbeitnehmer dort ihren Arbeitsplatz haben und 15% im Kanton Eupen beschäftigt sind (Pendler ins Ausland sind in diesen Zahlen nicht inbegriffen). Umgekehrt pendeln nur 3% der im Norden wohnhaften Arbeitnehmer in den Kanton St.Vith und 97% haben ihren Arbeitsplatz vor Ort.

Damit sind die Pendlerzahlen zwischen dem Norden und Süden Ostbelgiens innerhalb der letzten 7 Jahre deutlich zurückgegangen, und zwar in beide Richtungen: Die Zahl der Pendler vom Norden zum Süden hat sich seit 2009 halbiert (auf 218 Personen), und umgekehrt ist die Zahl der Pendler aus dem Süden nach Norden um ein Viertel zurückgegangen (auf 914 Personen).