Aktualisierung vom 26.08.2016

Die aktive Bevölkerung

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Unter der „aktiven Bevölkerung“, auch Erwerbsbevölkerung genannt, versteht man die Menschen im erwerbsfähigen Alter, die entweder als Arbeitnehmer in einem Arbeitsverhältnis stehen oder als Selbstständige oder Angehörige eines freien Berufs tätig sind, einschließlich der Arbeitslosen, die Arbeit suchen. Die aktive Bevölkerung beläuft sich 2014 in der Deutschsprachigen Gemeinschaft auf 33.650 Personen.  Gemessen an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (d.h. alle Personen von 15-64 Jahren) beträgt die Erwerbsquote (oder Aktivitätsrate) damit 66,9%.  Im Vergleich zum Vorjahr liegt somit erneut ein leichter Rückgang vor. 

In der Wallonie beträgt die Erwerbsquote 67,7% (minimaler Anstieg zum Vorjahr) und in Flandern 71,9% (im Vorjahr 71,4%).  Im Landesdurchschnitt liegt ist sie damit nach Jahren der Stagnation von 69,1% auf 69,5% leicht angestiegen.

Es besteht eine erheblich Diskrepanz zwischen den Erwerbsquoten im Norden und Süden der Gemeinschaft, wobei nach wie vor nicht ganz klar ist, wie viel davon der mangelhaften Erfassung der Pendlerströme nach Deutschland geschuldet ist.

Auch die Erwerbstätigenquote (Beschäftigungsrate) ist im Kanton St.Vith dank einer geringen Arbeitslosigkeit und einer relativ höheren Anzahl von Beschäftigen (Selbständige, Pendler und Arbeitnehmer) deutlich höher als im Kanton Eupen.  Die Beschäftigungsrate in der DG insgesamt beläuft sich 2014 nach dieser Berechnung auf 61,0%.

 Aktive Bevölkerung in der DG (2014)

  Bevölkerung
15-64
Erwerbstätige
(Beschäftige
Bevölkerung)
Erwerbslose
(Vollarbeitslose)
Total =
Erwerbsbevölkerung
(Aktive Bevölkerung)
Kanton St. Vith 19.833 13.070 677 13.747
Kanton Eupen 30.444 17.617

2.286

19.903
DG 50.277 30.687 2.963 33.650

Quelle: Steunpunt WSE

Arbeitsmarktquoten in der DG (2014)

 

Erwerbsquote
(Aktivitätsrate)

Erwerbstätigenquote
(Beschäftigungsrate)
Arbeitslosenquote
Kanton St. Vith 69,3 % 65,9 % 4,9 %
Kanton Eupen 65,4 % 57,9 %

11,5 %

DG 66,9 % 61,0 % 8,8 %

Quelle: Steunpunt WSE                

Die unterschiedlich hohen Erwerbsquoten pro Altersgruppe und Geschlecht verdeutlichen die unterschiedlichen Verhaltensmuster dieser Gruppen am Arbeitsmarkt. 

Die Erwerbsquote der Jugendlichen liegt mit knapp 38,2% deutlich unter dem Gesamtdurchschnitt, da die meisten Personen dieser Altersgruppe sich noch in der schulischen Ausbildung befinden und damit nicht als Erwerbspersonen gelten.  Jugendliche in einer mittelständischen Ausbildung zählen hingegen statistisch mit zu den Erwerbstätigen. 

Dieser Prozentsatz von 38,2% (im Kanton St.Vith sogar 45,1%) ist höher als in der Wallonie (33,9%), aber auch etwas höher als derjenige in Flandern (36,2%). Der Unterschied zur Wallonie ist dagegen noch deutlich größer bei der Erwerbstätigenquote, d.h. den tatsächlich Beschäftigten: sie beträgt 32,5% in der DG und nur 22,0% in der Wallonie.  Dies erklärt sich auch durch die hohe Bedeutung der mittelständischen Lehre in der DG und die deutlich höhere Jugendarbeitslosigkeit in der Wallonie.  Die Erwerbstätigenquote der Jugendlichen befindet sich allerdings seit Jahren auf einem Abwärtstrend, in der DG noch stärker als in den anderen Regionen.

In allen Regionen sind mehr Jungen als Mädchen auf dem Arbeitsmarkt präsent, aber nirgendwo ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern größer als in der DG: während knapp 43% der männlichen Jugendlichen zu den Aktiven zählen, sind es nur gut 34% der Mädchen.  Die Zahlen deuten darauf hin, dass in der DG deutlich weniger Jungen einer weiterführenden schulischen Ausbildung folgen, sondern häufiger im Arbeitsleben oder einer Lehre zu finden sind.

In der Altersgruppe der 25-49jährigen sind in der DG 84,3% der Männer auf dem Arbeitsmarkt präsent, aber nur 78,3% der Frauen.  Hier spiegelt sich die Tatsache wider, dass auch heute noch weniger Frauen als Männer einer bezahlten Tätigkeit nachgehen, auch wenn der Unterschied im Laufe der Zeit immer geringer wird: vor 10 Jahren lag die Differenz noch bei rund 18 Prozentpunkten!  Noch größer ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern bei den 50-64jährigen, was aber nicht darauf zurück zu führen ist, dass die Frauen sich früher vom Arbeitsmarkt zurückziehen als die Männer, sondern darauf, dass die weiblichen Kohorten dieser Altersgruppe in früheren Jahren weitaus weniger auf dem Arbeitsmarkt präsent waren.  Auch dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern resorbiert sich aber zunehmend, da in der aktiven Bevölkerung keine Gruppe in den letzten 10 Jahren so stark angewachsen ist wie diejenige der Frauen über 50 Jahren.

Auch im Vergleich zur Wallonie und insbesondere zu Flandern gehen die Frauen in der DG weniger häufig einer Erwerbstätigkeit nach, zumindest in der mittleren Altersgruppe: die Erwerbsquote der 25-49jährigen Frauen liegt in der DG mit 78,3% rund 2,7 Prozentpunkte niedriger als in der Wallonie und 7,3 Prozentpunkte niedriger als in Flandern.  Zugleich zeigen die Arbeitnehmerdaten, dass die Frauen in der DG häufiger einer Teilzeitbeschäftigung nachgehen als in den anderen Regionen.

Die Erwerbsbeteiligung der Älteren (50-64jährige) ist mit rund 63,1% in Belgien insgesamt recht niedrig im europäischen Vergleich, steigt aber von Jahr zu Jahr an.  Diese Erwerbsquote ist in allen Regionen ähnlich hoch.  Sie hat in Flandern mit 64,6% den höchsten Wert, beträgt in der Deutschsprachigen Gemeinschaft 63,4% und in der Wallonie 61,3%. 

Aktivitaetsrate_2014_400

Quelle: Steunpunt WSE

In der Erwerbstätigenquote (Beschäftigungsrate) spiegelt sich wieder, wie viel Prozent der aktiven Bevölkerung tatsächlich einer bezahlten Tätigkeit nachgehen, sei es als Arbeitnehmer oder Selbständige.  Der Unterschied zur Erwerbsquote erklärt sich durch die Höhe der Arbeitslosigkeit in den jeweiligen Gruppen und Alterskategorien.

Trotz der niedrigeren Arbeitslosigkeit in der DG ist die Erwerbstätigenquote hier 2014 zum ersten Mal niedriger (61,0%) als im Landesdurchschnitt (61,3%).  In den Altersgruppen 15-24 und 50-64 verzeichnet die DG eine höhere Beschäftigungsrate als in Belgien insgesamt, in der der Gruppe der 24-49jährigen allerdings eine leicht niedrigere Quote.  Gerade hier aber macht sich das Problem der korrekten Erfassung der Auspendlerzahlen bemerkbar.

Beschaeftigungsrate_2014

Quelle: Steunpunt WSE 

Das Lissabonn-Ziel für 2020

Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 insgesamt eine Erwerbstätigenquote von 75% in der Altersgruppe der 20-64jährigen zu erreichen.  Für Belgien wurde ein Zielwert von 73,2% gesetzt.

Betrachtet man die Erwerbstätigenquote in der DG für die Gruppe der 20-64jährigen im Jahr 2014, so liegt diese bei 65,9% (Belgien: 66,3%), wenn man die administrativen Daten des Steunpunt heranzieht.

Maßgebend für die EU sind allerdings die Zahlen der Arbeitskräfteerhebung (AKE), die auf Umfrageergebnissen basieren.  Zieht man diese zu Rate, so ist die DG mit einem Ergebnis von 72,4% für 2014 noch sehr gut positioniert, die Tendenz ist allerdings sinkend.  Für Belgien insgesamt liegt die Quote bei 67,3%.

Der Unterschied zwischen den administrativen Daten und den AKE-Daten erklärt sich durch die verwendeten Definitionen für die einzelnen Kategorien, durch die Erhebungsmethode und für die DG auch insbesondere dadurch, dass in den administrativen Daten die Auspendlerzahlen (v.a. nach Deutschland) unterschätzt werden.  Daher ist der Unterschied zwischen den beiden Quellen für die DG deutlich höher als in den anderen Landesteilen.  Allerdings ist das Umfrageergebnis für die DG aufgrund der Kleinheit der Stichprobe auch mit einer größeren Unsicherheit behaftet als in den Regionen.

Erwerbstätigenquote der 20-64-Jährigen (2014)

  Administrative Daten Arbeitskräfteerhebung
DG 65,9% 72,4%
Wallonie 61,8% 61,8%
Flandern 71,6% 71,9%
Belgien 66,3% 67,3%