Bruttowertschöpfung & Bruttoinlandsprodukt

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst die wirtschaftliche Tätigkeit eines Landes oder einer Region. Ausgangspunkt zur Berechnung des BIP ist die Bruttowertschöpfung (BWS). Die Bruttowertschöpfung umfasst den Produktionswert aller Wirtschaftsbereiche, d.h. die Endprodukte an Waren und Dienstleistungen abzüglich der eingegangenen Vorleistungen. Rechnet man zur Bruttowertschöpfung die Steuern hinzu und die Subventionen ab, erhält man das BIP.

Entwicklung der Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen, in jeweiligen Preisen in der DG (in Mio. €) (2003-2013)

Quelle: Institut des Comptes Nationaux, Comptes régionaux

Mit einer Bruttowertschöpfung von rund 348 Mio. EUR im Jahr 2013 kommt dem verarbeitenden Gewerbe in der Deutschsprachigen Gemeinschaft eine bedeutende Rolle zu. Innerhalb des verarbeitenden Gewerbes liefern insbesondere die Herstellung von Elektromaterial, die Nahrungsmittelindustrie, die Metallverarbeitung sowie die Herstellung von Gummi und Kunststoffen den größten Beitrag zur Wertschöpfung.  Damit hat das verarbeitende Gewerbe in der DG ein deutlich höheres Gewicht (knapp 20% der gesamten Wertschöpfung) als in den anderen Regionen Belgiens (Wallonie 14%, Flandern 17%). 

An zweiter und dritter Stelle in der DG stehen Handel und KFZ (229 Mio EUR) sowie das Immobiliengewerbe (161 Mio. EUR).

Im längerfristigen Vergleich über 10 Jahre ist eine insgesamt positive Entwicklung der Wertschöpfung zu beobachten, die nur im Jahr 2009 durch die Wirtschaftskrise einen deutlichen Einbruch (insbesondere im verarbeitenden Gewerbe) erlebt hat.  Die prozentuale Entwicklung in der DG liegt damit exakt im Landesdurchsschnitt.  Bei diesen Zahlen handelt es sich allerdings um die nominale Wertschöpfung, also nicht um inflationsbereinigte Zahlen.

Das inflationsbereinigte Wirtschaftswachstum im Jahr 2013 beträgt -0,9% in der DG (im Vergleich zum Vorjahr), -0,7% in der Wallonie und +0,6% in Flandern; das ergibt 0% auf Landesebene.  Für 2014 zeichnet sich hingegen wieder eine positive Entwicklung in allen Gebieten ab (+1,3% für Belgien gemäß der provisorischen Zahlen des ICN für 2014).

Anteile der Wirtschaftssektoren an der Bruttowertschöpfung (2013)

Quelle: Institut des Comptes Nationaux, Comptes régionaux

Der Anteil der Wirtschaftsbereiche an der Bruttowertschöpfung gibt Aufschluss über die Wirtschaftsstruktur einer Region.  Vergleicht man die Wirtschaftsstruktur der DG mit der Walloniens und Flanderns, fällt die relativ hohe Bedeutung des Sekundärsektors in der DG auf. Der Sekundärsektor, der das verarbeitende Gewerbe, den Bereich Elektrizität-Gas-Wasser und das Baugewerbe umfasst, erwirtschaftet mit 29,1% der Bruttowertschöpfung einen um rund 6 Prozentpunkte höheren Anteil als in der Wallonie und 3 Prozentpukte mehr als in Flandern. Dies liegt daran, dass vor allem im Norden der DG das verarbeitende Gewerbe mit Schwerpunkten in der Herstellung von Elektromaterial, der Kunststoff- und Nahrungsmittelherstellung sowie der Metallverarbeitung einen besonderen Stellenwert innehat. Ein anderer Wirtschaftsschwerpunkt der Region ist zudem das Baugewerbe, das mit einem Wertschöpfungsanteil von 8,0% 2013 über den wallonischen und flämischen Werten (jeweils rund 6%) liegt. 

Dadurch weist auf der anderen Seite der Tertiärsektor ein vergleichsweise geringeres Gewicht in der DG auf: Im Jahr 2013 liegt er um rund 7% hinter den wallonischen und 4% hinter dem flämischen Wert zurück. 

Im Vergleich zum Jahr 2003 hat die Wirtschaftsleistung des Tertiärsektors zwar insgesamt um 37% zugelegt (bei laufenden Preisen), aber der Sekundärsektor hat sogar 43% hinzugewonnen.  Außerst positiv ist die Entwicklung im Bausektor gewesen (+66% seit 2003), während der verarbeitende Sektor nur rund 13% an Wirtschaftsleistung zugelegt hat.  Innerhalb des Tertiärsektors ist insbesondere das Gesundheits- und Sozialwesen stark angewachsen.

Auf Landesebene war die Entwicklung im Sekundärsektor mit +20% deutlich niedriger als in der DG und auch deutlich niedriger als im Dienstleistungssektor, der mit einem Plus von knapp 46% stärker gewachsen ist als in der DG.

Trotz eines stetigen Rückgangs erwirtschaftet der Primärsektor im ländlichen Raum der DG immer noch 2,0% der Bruttowertschöpfung des Jahres 2013, d.h. doppelt so viel wie im übrigen Land.

Bruttoinlandsprodukt pro Kopf

Vergleicht man die Wirtschaftskraft verschiedener Gebiete, wird als Maßeinheit oft das BIP pro Einwohner verwendet.  In Regionen mit hohem Pendleranteil gibt dieser Indikator allerdings ein verfälschtes Bild wieder, da das in der Region erwirtschaftete BIP nur durch die Einwohnerzahl geteilt wird (obwohl auch die Einpendler es mit erwirtschaftet haben) und andererseits die durch die Auspendler erwirtschaftete Wertschöpfung im Ausland angerechnet wird.  Im Fall der DG ist das BIP pro Einwohner vergleichsweise niedrig, da die DG einen hohen Auspendleranteil aufweist.

Ein reelleres Bild der Wertschöpfung in einem Gebiet entsteht daher, wenn man das BIP durch die Anzahl der Beschäftigten vor Ort (ob Einwohner oder Einpendler) teilt.  Nach diesem Konzept betrachtet, erzielt die DG 2013 ein Ergebnis von 73.486 EUR pro Beschäftigtem.  Das liegt zwar immer noch deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 86.618 EUR, ist aber im längerfristigen Vergleich in der DG immerhin stärker angewachsen als in den anderen Landesteilen.

BIP pro Beschäftigtem

Quelle: Institut des Comptes Nationaux, Comptes régionaux

*Bem.: Es handelt sich hier um eine eigene Schätzung des PIB der Deutschsprachigen Gemeinschaft anhand der aus den anderen Regionen abgeleiteten Ratio VAB/PIB